Mein erstes First

Soviel vorweg, JAL macht einiges anders als die Briten. So waren dann auch die Ansagen im Flieger eher zu leise als plärrend laut. Sehr angenehm. Ob das mit der Reihenfolge (siehe den Post zuvor) so geklappt hat beim Einsteigen… naja. Dennoch lief alles zivilisiert ab. Das habe ich schon ganz anders erlebt.

In der Hoffnung, dass auch links ein Exit ist.

Im Flugzeug gab es dann das erste First: Eine komplette Flugzeugmahlzeit mit Stäbchen essen. Hatte ich noch nicht und hätte ich nicht gesehen, dass der Japaner neben mir begann den Salat mit Stäbchen zu essen, ich hätte es vermutlich nicht probiert. Zum Salat nur der kurze Hinweis: Cocktailtomate, ungeschnitten, mit Dressing… mit Stäbchen. Eine Herausforderung. Tatsächlich aber nichts gegen den ca. 10 cm langen panierten Shrimp der Hauptmahlzeit. Mein Nachbar hat sich den bis zum Ende aufgespart und so hab ich das dann auch gehalten. Der Reis mit dem Algenblatt, das Seelachsfilet (nehm ich an), der eingelegte Kohl und ein undefinierbares hellgraues Bällchen (das geschmacklich auch nicht anders war als vom Aussehen, nämlich undefinierbar), all diese Köstlichkeiten kamen vor dem Shrimp mit den Stäbchen in mein loses Mundwerk.
Und doch hab ich den entscheidenden Moment verpasst als er den Shrimp aß. Ich hab dann einfach Häppchenweise abgebissen, denn im Gegensatz zum Fisch (dem anderen Hauptbestandteil der Hauptmahlzeit) war der partout nicht mit den Stäbchen zu zerteilen. Danach gab es noch irgendwelche graue Nudeln. Dazu gab es eine glücklicherweise mit Noodle Sauce beschriftete kleine Flasche. Das war einigermaßen zu essen. Mein Motto für akute Überforderung beim Essen lautet übrigens:

Vergiss Deine Kinderstube; der Teller geht zum Mund und das Werkzeug schiebt rein. 

So kann es klappen. Der Obstsalat war mundgroß portioniert und daher eine reine Wohltat nach so viel Stäbchenarbeit.

Ich fühlte mich also zwischenzeitlich gut aufgehoben und bildete mir ein, das läuft. Das währte allerdinges nur solange, bis der Herr neben mir sein Tablet nach gut der Hälfte meiner zum Essen benötigten Zeit geleert hatte. Es gibt also noch Steigerungspotential.

Dann hatte JAL noch ein Ass im Ärmel. Nachdem wirklich alle fertig waren, gab es auf das etwas vollgestellte Tablet noch ein HäagenDäsz-Eis. Wer kennt sie nicht, die kleinen Becherchen. Das wäre auch ganz nett gewesen, doch leider hatten sie das Eis wohl auf den Tragflächen transportiert, denn es war unglaublich hart. Zu meiner beinahe diebischen „Freude“, dass jetzt alle mit den Stäbchen doch nicht mehr weiterkommen und daher auf dieses neumodische Besteck namens Löffel zurückgreifen müssen, kam also hinzu, dass das ein in diesem Zustand nicht zu essen war. So saß also nun ein ganzer Flieger mit einem kleinen Becher Eis vor sich und einem Löffel in der Hand wartend da. Der Blick nach hinten war köstlich.

Ich habe mir irgendwann aus meinem nahezu kochend heißen grünen Tee mit der Salatabdeckung ein kleines Stövchen gebaut. Meine simple Überlegung: Hitze hoch, dann Eis eßbar und Kälte runter, dann Tee trinkbar. Schien mir ein klares Win-Win zu sein. Am Ende haben wir aber vermutlich doch alle einfach 15 Minuten gewartet und gleichzeitig gegessen. Arigato, JAL, für diesen Schildbürgerstreich.

PS: Sollte ich mir Sorgen machen, dass mein Nachbar die ganze Zeit Nachrichten über den Taifun guckt, der gerade den Südwesten von Japan überrollt?

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