Ka-Ching!

Bericht zum 24.09.2016 – Teil 2

Und gerade wenn man denkt, dass man so halbwegs in der Mentalität der Japaner drin ist, dann kommt die nächste Überraschung. Doch dazu eine kurze Einleitung. An meiner Heimatbahnstation, in Nijo, gibt es ein paar Geschäfte. Ein großer Supermarkt, ein winziger Imbiss, ein 24h Restaurant, ein 24h Convenience Store und natürlich einen 25h 100 Yen Shop.

Doch dann gibt es noch ein großes Gebäude, ein Parkhaus, das im Erdgeschoss riesige elektrische Milchglastüren hat. Hier ist durchaus Betrieb und wann immer ich dort vorbeiging habe ich versucht einen Blick zu erhaschen was da drinnen wohl sein mag. Aber nach den ersten Türen kommen gleich die nächsten, so dass man nichts sieht, selbst wenn jemand reingeht. Sehr diskret also. Auch roch es unangenehm nach kaltem Rauch und die Klimaanlage blies recht laut in den Eingangsbereich. Also nicht sehr verlockend. Daher gab ich mich damit zufrieden, dass das wohl eine Spielhalle ist. Da ich in Deutschland in so etwas nicht reingehe, wusste ich nicht, warum ich hier damit beginnen sollte. Bis gestern. Da beschloss ich doch mal einen Blick zu riskieren.

Also Nase und Ohren zu und durch die Schleuse der Milchglastüren. Ich wäre fast vom Glauben abgefallen, was ich da sah. Der vermutete starke Luftstrom der Klimaanlage blieb aus und leiser wurde es auch nicht. Im Gegenteil, es war nahezu ohrenbetäubend und unangenehm laut. Was war geschehen?

Meine Sinne betäubt vom Lärm, erfassten meine Augen Glücksspielautomaten. Bestimmt 40 Reihen mit je 20 Automaten. Vom Anblick fast wie ein Spielcasino in Las Vegas, doch vom Lärmpegel eher ein Testgelände für Düsentriebwerke. Ich war in einer der berüchtigten Pachinko-Spielhallen gelandet.

Pachinko war ursprünglich ein rein mechanisches Spiel. Das wurde dann aber immer weiter technologisiert, so dass es heute ein Hybrid aus kleinen Metallkugeln und einem einarmigen Banditen-Spielprinzip (umgesetzt durch einen Bildschirm in der Mitte des Automaten) ist.
Die Kugeln werden oben ausgestoßen und rattern dann über verschiedene Nägel nach unten. Gelegentlich trifft eine das Ziel, dann bekommt man mehr Kugeln. Hunderte Kugeln. Und gelegentlich taucht auch die einarmige Banditfunktion am Bildschirm auf. Sonst geht es auf dem Bildschirm recht bunt zu. Aber das ist nur Ablenkung. Die Kugeln hingegen kann man nutzen, um weiterzuspielen oder sie gegen einen Gewinn einzutauschen. Abgesehen vom einarmigen Banditen ist die einzige Interaktionsmöglichkeit die Geschwindigkeit des Austoßs zu regeln. Mit Verlaub, das ganze ist einigermaßen blind. Es gibt viele Artikel dazu im Internet. Bei Wikipedia findet man einen guten Anfang.

Doch was mich verwundert hat, war die Altersstruktur. Das waren junge Menschen! In erster Linie zwischen 20 und 30 und der Laden war am Samstagabend um 23h gut gefüllt. Leere Reihen gab es nicht und manche waren sogar vollbesetzt. Die Auslastung war sicherlich bei mehr als 50%. Fassungslos bin ich die Gänge abgelaufen.

Die stets höflichen so selbstbeherschten Japaner haben also einen Hang zum Zocken. Das hätte ich so nicht für möglich gehalten.
Selber ausprobiert habe ich es nicht, denn ich musste den Bus um 4:30h bekommen. Das bedeutete gegen 3h aufstehen und hoffen, dass ich ein Taxi finde das mich zum Bahnhof bringt. Vorbestellen war für mich leider nicht möglich. Da es keine vernünftigen Adressen in Japan gibt ist das ohnehin schwierig. Das kommt übrigens auf die Liste dessen, was ich mir nie hätte vorstellen können. Dass Japan es nicht hinbekommt ein funktionierendes Adresssystem einzuführen.

Fun fact: Glücksspiel ist in Japan verboten.

Fun fact2: Außer es geht um die Olympischen Spiele 2020 in Tokyo. Zur (teilweisen) Finanzierung der Spiele gibt es die Überlegung Glücksspiel zu legalisieren. Spielen für die Spiele. Kein Kommentar.

Fun fact3: Nicholas Cage hat eine ganze Reihe von Werbespots für Pachinko (genauer gesagt für den größten Paschinkomaschinenhersteller Sankyo) gemacht.

Advertisements

3 Gedanken zu “Ka-Ching!

  1. 🐼 schreibt:

    Hey steffen.. Das adresssystem macht in japan viel mehr Sinn als in Deutschland! Haha pachinko!! Man kann aber idr nur Softdrinks gewinnen… aber mal was anderes. Challenge: Poste doch mal puricuras… aber mit anmalen!!grüsse

    Gefällt mir

    • steffen4 schreibt:

      Echt? Ich werde mich nochmal mit den Adressen beschäftigen. Möglich, dass ich da was übersehe. Wie bekommt man z.B. raus, wo man sich aktuell befindet, wenn man die Gegend nicht kennt? In anderen Ländern gibt es dazu Schilder mit Straßennamen, die gibt es hier nicht.
      Puricuras klingt spannend. Ich werde nachforschen! 🙂

      Gefällt mir

      • Anonymous schreibt:

        Achtung klug geschissen:

        Z.b. Shibuya 1-3-9
        9 ist die Hausnummer
        1-3 sind Bezirk und blocknummer. Stadteilname, Bezirk und blocknummer stehen idr an laternenpfeilern.. so grüne schilder. Daran siehst du es. Das einzige Problem ist, dass Hausnummer nicht wie bei uns vergeben werden also nach 1 folgt 2 etc sondern nach alter quasi vergeben werden.. gilt aber nicht für Bezirk und blocknummer.
        Bin gespannt auf die puricuras!

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s