Der erste Tag unter Taifun #17

Bericht von 26.09.2016

Ich hänge fest in Ishigaki. Ab 14 Uhr soll hier der Taifun sein Unwerk beginnen. Davon ist im Moment noch nicht viel zu spüren. Vorsorglich haben aber alle schonmal einen Gang zurückgeschaltet. Alle Flüge sind gestrichen und der Hafen hat gleich komplett zugemacht.

Ich bin dann mal entspannt zum Hafen gepilgert und wollte sehen, ob die nun wirklich alles dicht gemacht haben. Vielleicht gibt es ja noch ein Schiff, was sich die 30 Minuten nach Iriomote zutraut. Wenn man mal ehrlich ist, dann sah die See jetzt noch nicht wirklich verwüstet aus. Aber das kann draußen immer noch mal anders aussehen und im Allgemeinen wissen die Seeleute schon was sie tun.

Im Hafen angekommen sehe ich dann schon ein Schild, dass nichts Gutes bedeutet.

Auch ohne Sprachkenntnisse ist die Bildsprache recht eindeutig. Links der Taifun-Pfad, rechts die normalen Abfahrtszeiten mit einem Kasten überlagert und darüber mit rotem Schrift ausdrucksstarke und voller Respekt geschriebene Zeichen. Gut, letzteres kann meiner Fantasie entsprungen sein, aber auch die Dame am Ticketschalter gab zu verstehen, dass heute auf jeden Fall und morgen sehr wahrscheinlich nichts gehen würde. Grmpf. Na gut. Da gab es nichts zu diskutieren.

Dann wandere ich also ein bisschen durch die Stadt. Außer grünen Netzen, die die Leute vor ihre Fenster gespannt haben tut sich eigentlich nichts. Ich nehme an, dass wenn man relativ regelmäßig von solchen Taifunen beglückt wird, dann ist alles was wegfliegen kann schon irgendwie weg. Bleibt also noch die Natur, die ständig und hemmungslos nachproduziert. Ich nehme an, die Netze sollen vor Ästen und Palmblättern schützen. Einem Wellblach würden sie wahrscheinlich nicht standhalten.

Auf meinem Weg entdecke ich auch mein erstes japanisches Polizeiauto! Bisher hab ich noch keine Polizei in Japan gesehen. Warum ist unklar, aber es scheint wohl nicht Not zu tun. Und auch hier habe ich eher den Eindruck, dass die Baustelle ein paar Meter weiter der Grund für den Polizeieinsatz ist, als eine akute Kriminalität

Umso besser. Es soll mir recht sein, denn tatsächlich hatte ich ja schon mehrfach geschrieben, dass ich mich hier sehr sicher fühle. Das scheint also irgendwie zu funktionieren.

Weil sonst wirklich nichts weiter passiert, hier mal ein Eindruck wie es hier typischerweise aussieht.

In der Innenstadt:

In einer Wohngegend knapp außerhalb der Innenstadt:

In der Innenstadt gibt es auch eine Shopping-Mall, die mit allerlei bunten Geschäften auf sich aufmerksam zu machen sucht.

Und auch der Spaziergang zum Meer am Nachmittag ist eher trostlos. Man hätte gut und gerne noch den Tag nutzen können. Z.B. das Moped mieten um rumcruisen. Ein Taifun ist das hier nicht. Zumindest keiner, vor dem man sich in Acht nehmen muss. Dennoch, man kann bereits erahnen, was sich auf dem Meer so abspielt. Wie viele Inseln ist auch Ishigaki von einem Gürtel aus Korallen umgeben. Diese wirken wie natürliche Wellenbrecher. Durch die vorgelagerten Riffe  wird es flach, die Wellen türmen sich auf und brechen sich. Bis sie dann am Ufer ankommen sind sie nur noch handzahm. So etwas bräuchte Sylt vielleicht mal? Auf meinem Bild sieht man das ganz gut. Am Ufer ist nichts, doch draußen beim Riff, da ist schon ordentlich was los.

Am Abend gibt es das Angebot für 300 Yen am Dinner im Hostal teilzunehmen. Das mache ich doch glatt, denn viel los ist ohnehin nicht. Außerdem hoffe ich so ein wenig lokale Kost zu bekommen.

Und tatsächlich. Es gibt Okonomiaki (Hiroshima Style). Das ist Kohl und eigentlich Bacon (war hier aber nicht drin) und ein Pfannkuchen. Dann ist da noch Ei, Nudeln, eine braune Sauce und Mayonnaise dabei. Oben drauf sind fein geschabte Fischflocken und ein wenig getrocknetes und geraspeltes Seaweed.

Die Fischflocken haben die lustige Eigenschaft, dass sie sich bewegen. Es sieht aus als tanzten sie. Vermutlich durch die Hitze des Gerichts unter ihnen bewegen sie ich hin und her. Das ist schon ein wenig befremdlich, zumal das ein paar Minuten lang so geht. Geschmacklich ist es ähnlich wie ein Auflauf. Es schmeckt lecker und macht ordentlich satt. Ich konnte meine Portion nicht aufessen und habe mir ein Viertel fürs Frühstück (daraus ist dann Lunch geworden) aufgehoben.

Als kleinen Bonus gab es dann noch Natto  (nicht auf dem Foto). Allerdings nur einen Teller, der unter allen 8 Personen geteilt wurde. Wir (ein Brite war noch am Tisch, der Rest war japanisch) als ausländische Gäste hatten ein Vorrecht darauf zuzugreifen. Natto (oder auch Natu, Nattu, Nato, geschrieben) ist eine Spezialität und Delikatesse. Es ist ein Pfannkuchen, der mit einer Art fermentierter Bohnen gefüllt ist. Diese haben eine schleimige Konsistenz entwickelt und ziehen lange Fäden (ich dachte erst, da wäre Käse drin, aber das ist nicht der Fall) und das ganze hat einen abenteuerlichen Geschmack. Es ist nicht schlecht, aber ich kann auch nicht sagen, dass ich noch etwas nachgenommen hätte. Es zieht bis ganz nach oben in der Nase… und ich kann das nicht wirklich beschreiben. Ich bin froh, dass ich es probiert habe und finde es schmeckt ein wenig wie der braune Tee den es hier (siehe auch Foto), neben dem grünen Tee, überall gibt. Aber nur ein wenig.

Dann war der Tag auch schon vorbei. Über Nacht sollte Megi (das ist #17), dann nochmal ein wenig stärker anklopfen. Aber dazu morgen mehr.

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3 Gedanken zu “Der erste Tag unter Taifun #17

  1. genki? schreibt:

    Altbauten bzw. hübsch anzuschauende (nach welcher Definition auch immer) Gebäude, die nicht aussehen wie in irgendeiner spanischen Bettenburg, gibt es den Fotos nach eher nicht? schade fürs Auge oder doch dennoch spannend zu betrachten?

    Gefällt mir

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