Eingekapselt in Ōsaka

Bericht zum 30.09.2016

Heute verlasse ich um 7:40h das paradiesische Iriomote-Jima.

Meine Fähre fährt zum ersten Mal unpünktlich. Satte 3 Minuten Verspätung. Als ob sie mir sagen wollte: „Bleib noch ein wenig.“ Wenn man allerdings ehrlich ist, dann war die Zeit ausreichend.

Mit einem Tag mehr hätte ich vermutlich noch mit der Inselüberquerung (eine 20 km Tour durch den Dschungel) geliebäugelt. Da man aber nicht alleine unterwegs sein darf (es haben sich wohl schon so einige Touristen verirrt und mussten gerettet werden – oder eben nicht mehr), ginge das ganz theoretisch ja nicht. Aber die Wasserfalltour konnte man ja eigentlich auch nicht machen…

Boxlegende am Hafen von Ishigaki-Jima

Der Bus zum Flughafen kommt direkt, ich kann einchecken und alles ist in bester Ordnung. Am Flughafen wird viel Eis gegessen und ich beschließe es den Römern gleich zu tun. Die als „beste“ Eissorte beworbene Milch-Geschmacksrichtung erweist sich jedoch als Fehler. Es schmeckt nach H-Milch. Enttäuschend. Aber wieder was gelernt.

Bereits auf dem Schiff habe ich ausgiebig meine Reiseführer gewälzt. Mir ist noch nicht klar, wo ich jetzt eigentlich hin will. Am 03.10. will ich in Tokio sein. Doch was mache ich bis dahin?

Kurz bevor ich den Flieger besteige entscheide ich mich für Kanazawa und buche auf der Gangway meine Unterkunft. Es soll eine nette Stadt sein und genug für 2-3 Tage bieten. Das klingt doch nicht schlecht, obwohl ich nicht so richtig überzeugt bin. Im Flugzeug plane ich weiter und schlafe (wie der restliche Flieger) irgendwann darüber ein. Als ich aufwache bin ich nicht wirklich zufriedener, aber ich lese ein wenig weiter.

In Kansai (KIX) gelandet stelle ich fest, dass Christo hier wohl gerade für sein nächstes Werk trainiert.

Anschließend treffe ich auf zwei Deutsche, die im gleichen Flug waren. Iriomote hatten sie nicht auf dem Zettel, aber sie haben auch nur zwei Wochen. Wir unterhalten uns und im Gespräch erscheint mir die Option Osaka zum Wochenende zu haben doch gar nicht so schlecht (obwohl wir uns kurioserweise gar nicht über Osaka unterhalten haben). Der LonelyPlanet beginnt seine Ausführungen zur Stadt so:

Japan’s third-largest, ultra-urban, hard-working Osaka is an unabashed antidote to the fashion forward frenzy of Tokyo and the prim propriety of Kyoto.

Das wollen wir doch mal sehen. Und als Gegenentwurf zu Kyoto und Tokio doch eigentlich eine perfekte Ergänzung und zum Wochenende vielleicht genau das richtige.

Im Bus vom Airport nach Osaka (1550 Yen) buche ich dann ein Capsule Hotel. Das wolle ich ohnehin ausprobieren und für so eine spontane Buchung könnte das doch genau das richtige sein. Check-In ist um 17h, aber meine Sachen kann ich ja bestimmt vorher schon abstellen.

Nachdem mich Google Maps mal wieder völlig falsch geführt hat (ab jetzt werde ich doppelt und dreifach checken… grrr), erreiche ich mein Capsule Hotel im In-Bezirk Minami (Shinsaibashi & Namba oder auch Amerika-Mura und Dotombori).

Triangle-Park

Vorbei am Triangle-Park finde ich meine Unterkunft. Sachen abgeben und weiter. Doch da täusche ich mich. Wie noch bei einigen anderen Dingen in Bezug auf Capsule Hotels.

Für knapp 2900 Yen darf man hier eine Nacht schlafen.

Hier eine kleine Einführung, wie es in meinem Hotel abläuft:

  • Das Capsule Hotel öffnet jeden Tag um 17h. Vorher ist es komplett zu. Keiner kommt rein und da keiner drin ist, kommt auch keiner raus.
  • Wenn man mehrere Nächte bleibt, wechselt man dennoch die Capsule.
  • Es gibt einen kleinen Locker bei den Sanitäranlagen (und in der Nähe der Schlafplätze) in dem ein Handtuch, eine Art dünner Bademantel und eine Zahnbürste bereitstehen. Er bietet Platz für einen kleinen Rucksack.
  • Große Gepäckstücke kann man unten in einem Locker einschließen (200 Yen) oder am Empfang stehen lassen. Ich gönne mir den Luxus des Lockers. Ich vertraue zwar den Japanern, aber da sind ja noch jede Menge anderer Leute.
  • Check-Out ist jeden Tag bis 10h.
  • Von 10h bis 17h ist das Ding also dicht. Wenn man Gepäck dagelassen hat, dann kommt man da auch erst um 17h wieder dran.
  • Wenn der Nachbar (oder irgendjemand im Gang – ich habe das nicht nachgeprüft) schnarcht, dann hört man das.
  • Obwohl die Japaner tendenziell sehr höflich und umsichtig sind, laufen sie wie die Elefanten. Ich bin verwundert, dass da nicht einfach ein lärmschluckender Boden eingebaut wurde. Das hätte ich ihnen zugetraut.
  • Generell ist es zwar nicht wie auf dem Taubenschlag, aber ein leichter Schläfer sollte man nicht sein.
  • Wenn jemand morgens den eingebauten Wecker vergisst (oder einfach vorher abhaut), dann dauert es verdammt lange, bis der wieder von alleine ausgeht.
  • Ab 1.90m Körpergröße gucken die Füße raus, wenn man sich streckt. Bettdeckenlängen sind hingegen bei den Temperaturen hier unproblematisch.

Nach dem Check-In verfalle ich erstmal in einen Dösschlaf und kuschele eine Stunde mit meinem Rucksack.

Viel Platz ist nicht, ein Radio, Frischluftzufuhr und ein Fernseher (den ich nicht in der Lage bin anzubekommen) sind vorhanden.

Da es nun schon dunkel ist, gehe ich raus und werde mal sehen, ob es in dieser für das Essen so berühmten Stadt auch für mich eine Kleinigkeit gibt. Und vielleicht ein Bier. Oder zwei.

Abends ist die Gegend noch belebter. Es ist unglaublich viel los und zum ersten Mal habe ich den Eindruck, dass es ein Leben auf der Straße gibt, was nicht durch Tourismus (Kyoto), sondern durch Locals belebt ist. Natürlich sind auch hier so einige Touris unterwegs, aber die sind nicht der Hauptzweck. Osaka scheint von sich zu leben.

Und dann zum Essen. Da ich Okonomyaki schon hatte (auf Ishigaki), suche ich nun Tako-Yaki. Das sind kleine Oktopusbällchen und ein lokaler Hit. Doch da muss ich nicht suchen. Es gibt sie überall und sie werden stets frisch zubereitet.

Links die Vorstufe, in der Mitte das fast fertige Endprodukt

Und so sieht es verzehrfertig angerichtet aus:

Anschließend kaufe ich mir ein Bier und schlendere damit durch die Straßen. Alkoholgenuß ist in der Öffentlichkeit zwar erlaubt, aber es macht keiner. Genauso verhält es sich übrigens mit dem Küssen.

Ich wickle daher meinen Drink völlig absurderweise in die bei jedem(!) Einkauf mitgelieferte Plastiktüte ein. Es ist ein wenig albern, aber ich fühle mich irgendwie besser damit mein nicht-konformes Verhalten nicht völlig offensichtlich zu präsentieren.

Dann beschließe ich einen Irish Pub aufzusuchen. Man kann hier in die Bars von außen nicht reingucken und sie sind zudem von außen häufig klein und unscheinbar. Zudem sind Irish Pubs weltweit ein Ort für Freunde, die man noch nicht getroffen hat (Strangers are just friends you haven’t met.)

Im ersten findet auch gleich ein Treffen von InterNations statt. Ich unterhalte mich mit einem Iren, Graham, der seit acht Jahren hier lebt und Englisch unterrichtet und nebenbei noch in einem Videospielladen arbeitet. Dann treffe ich noch ein paar Damen und Herren, die hier alle zum Arbeiten sind. Es wird ein netter Abend und ich starte mit deutlich zu wenig Schlaf in den nächsten Tag.

Und deswegen sitze ich jetzt im angenehm ruhigen Starbucks und gönne mir eine kleine Pause mit Kaffee bis ich mich zur einzigen Sehenswürdigkeit der Stadt aufmache, dem Umeda Sky Building.

Bis um 16h!

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3 Gedanken zu “Eingekapselt in Ōsaka

  1. ddlv schreibt:

    die Ishigakipiers sehen sehr solide aus und so als ob da bei entsprechend starkem Wind die Wellen auch mal drüber weggehen können. Konntest du dich in der capsule denn ausstrecken?
    Viel Vergnügen weiterhin ddlv

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