Asoka Osaka

Bericht zum 01.10.2016 (Nachbericht)

Guten Morgen! Was für eine Nacht in Osaka. Gerne hätte ich die ein oder andere Minute mehr geschlafen, aber die Kapsel schließt mich hemmungslos um 10h aus. Da war ich froh, dass Osaka keine unglaublichen Sehenswürdigkeiten hat. Jedenfalls nicht nach klassischen Maßstäben.

Die Stadt war auch im Zweiten Weltkrieg schon eine Hafen- und Industriestadt und daher ein Hauptziel von Bombardements. Das hat viel zerstört und so ist kaum alte Substanz vorhanden.

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Die Straßenlampen im In-District und hier am Triangle Park, der Tag und Nacht mit Musik und Werbung beschallt wird, sind fancy und mit so einigen Überwachungskameras ausgestattet.

Im Reiseführer sind das Umeda Sky Building und das alte Schloß angegeben. Gegen einen Wolkenkratzer habe ich gar nichts einzuwenden, da man da meist maschinell nach oben befördert wird. Genau das richtige also in meinem Zustand.

Dem Castle stehe ich kritisch gegenüber. Schon in Kyoto habe ich mir am letzten Tag noch das Nijo-Castle angesehen. Es hieß in einem der Abendgespräche da müsse man hin. Ich sage ganz ehrlich, dass es nach dem Bambus-Wald die nächste Sache ist, die ich streichen würde. Daher war das Castle in Osaka trotz der wahnsinnig kurzen Shortlist von zwei Einträgen eigentlich nur auf Platz vier oder fünf.

Um den Tag vernünftig zu begehen hielt ich einen Kaffee für angebracht. Doch woher nehmen? Irgendwann lächelte mich ein Starbucks an. In Deutschland bin ich Starbucks gegenüber zurückhaltend, aber im ganzen Gewusel schien mir ein entspannter Starbucks (so die Hoffnung) genau richtig.

Mit dem Fahrstuhl geht es in die erste Etage. Ein großer hoher Raum in dem Nat King Cole leise im Hintergrund trällert. Es ist angenehm temperiert. Durch die große Fensterfront kann man dem Treiben auf der Straße zusehen. Der Kaffee tut gut.

Anschließend ging es in die U-Bahn. So langsam finde ich mich zurecht und traue mir auch schonmal zu ein Ticket zu kaufen ohne den Automaten vorher auf Englisch umzustellen. Obwohl das immer noch ein Risiko ist, denn es gibt verschiedene Automaten und ich frage mich eigentlich immer, warum es soviele verschiedene Optionen gibt. Auch verwunderlich ist, dass es zwar einen Touchscreen gibt, aber zusätzlich noch manuelle Tasten vorhanden sind. Manchen Davon wiederum mit flexiblen Anzeigen. Es ist mysteriös, aber man lernt hier zu abstrahieren.

Der U-Bahn Plan ist ähnlich. Um Google Maps auch mal ein Lob zukommen zu lassen, die Fahrpreise werden stets akkurat angezeigt. Das ist deswegen wichtig, weil manche U-Bahn-Pläne nicht einfach sind. Dieser hier hat dankenswerter Weise noch „Subway“ übersetzt, der Rest kommt jedoch nur in japanischer Sprache daher.

Wenn man allerdings weiß, dass 180 Yen das günstigste Ticket sind und sich dann die Preise in Abhängigkeit der Entfernung verringern, dann kann man auf dem Plan recht schnell herausfinden, wo man eigentlich ist. So baut man sich seine Brücken.

Immernoch unklar ist mir warum die Linien alle irgendwelche Namen haben. Gelegentlich auch zwei Namen und wenn es lustig wird noch einen englischen Namen. Letzterer wird zwar bei Google Maps gerne angezeigt, findet sich auf den Bahnschildern im Bahnhof allerdings nur homöopathisch wieder. Was spricht gegen eine simple Nummerierung? Da lobe ich mir die U3, U1, S1, etc.

Die eigentliche Central Station von Osaka ist zusätzlich nicht Osaka-Station, sondern Umeda. Es kann auch sein, dass das Nah- und Fernverkehr unterscheidet. Die beiden Stationen liegen eigentlich direkt nebeneinaner. Verbunden werden sie durch Shopping-Malls manchmal unterirdisch, manchmal oberirdisch. Man weiß es nicht, denn es gibt keine Fenster.

Unmengen von Menschen schleusen sich scheinbar ohne Orientierungsprobleme, an zahllosen gut besuchten Geschäften vorbei zu geradezu bemerkenswert vielen Ausgängen. Glücklicherweise gibt es immer wieder auch übersichtliche Übersichtspläne. Das hält natürlich keinen davon ab sich zu verlaufen und es beruhigt mich durchaus, dass nicht nur Touristen manchmal mit fragender Mine an solchen Plänen zu finden sind.

Auf dem Weg zum Umeda Sky Tower muss ich eigentlich unter einem brachliegenden Gelände durch. Doch anstatt der Beschilderung zu folgen, laufe ich geradewegs in ein paar flyerverteilende Damen. Ich bekomme ausnahmsweise auch mal einen. Normalerweise lassen mich alle, die Flyer verteilen oder Leute anquatschen wollen in Ruhe. Es hat auch seinen Vorteil die Sprache nicht zu sprechen (oder so auszusehen als spräche man sie nicht, was in meinem Fall aber tatsächlich so ist).

Was es genau ist weiß ich nicht, aber es ist nicht kommerziell. Nach 50m durch einen mit Bauzäunen abgegrenzten Bereich kommt man auf das Gelände. Am Eingang ist eine Aktion von ein paar Schreinern, die mich sogleich abfangen und auffordern mit einem Hobel einen dünnen Streifen Holz abzuhobeln. Nach anfänglichem Zögern denken ich dann, warum eigentlich nicht und will den Hobel in die Hand nehmen. Das machen ich offensichtlich falsch und mir wird der Zugriff verweigert. Ich lasse den Herren gewähren. Vielleicht muss man irgendwas besonderes machen mit einem japanischen Hobel. Ich kann mich nicht erinnern schonmal einen Hobel in der Hand gehabt zu haben und will sicherlich nichts falsch oder gar kaputt machen.

Und dann darf ich doch. Hobel aufsetzen und gleichmäßig mit ordentlich Kraft durchziehen. Die anfängliche Skepsis der kleinen Menschentraube, die sich um mich gebildet hat, weicht. Denn mit jedem Zentimeter wird klar, dass ich da einen sehr ansehnlichen durchgängigen dünnen Streifen erzeuge. So soll es wohl sein. Die Aaah und Ohh, das mit der Länge meines Streifens zunehmende ungläubige, aber begeisterte Lachen und Staunen und der anschließende kleine Applaus lassen mir das ganze ein wenig unangenehm werden, aber ich bin zuversichtlich, dass ich das ganz gut hinbekommen habe. Ich darf den Streifen mitnehme und soll daran riechen. Er ist wirklich hauchdünn, glänzt, ist ziemlich glatt und riecht nach ätherischen Ölen.

Später erfahre ich, dass man aus dem dünnen Streifen eine Rose zurechtlegen kann. Das probiere ich auch, scheitere jedoch grandios. Offensichtlich braucht es dazu andere Fähigkeiten.

Im hinteren Bereich des Geländes findet auf einer Bühne ein Gesangswettbewerb statt.

An kleinen Ständen werden Bier und selbstgemachte Snacks verkauft. Dann kann man noch Sachen basteln oder sich über irgendwas informieren. Auch interessant ist, dass man sich Plätze mieten kann, an denen man dann grillt. Das Angebot wird wohl nur zögerlich angenommen, aber das kann auch an der Uhrzeit liegen. Der Preis ist übrigens auf den Tischen aufgeklebt.

Sehr divers diese Veranstaltung. An einem weiteren Stand kann man dabei zu sehen wie ein Bäcker traditionell den Nudelteig für diese etwas dunkleren Nudeln (Soba, wenn ich mich nicht täusche) herstellt. Das dauert ganz schön lange. Und er hat da auch wirklich eine sehr ästhetische Kunst draus gemacht. Bis zum Ende habe ich es aber nicht ausgehalten.

Als ich das Gelände verlassen will, merke ich, dass ich wohl auffalle, denn ich werde angesprochen.

Flyerverteilerin: Did you like it?

Ich: Yes, it was awesome. I got this (*pulls the wooden stripe from backpack*)

Flyerverteilerin: Yes, I saw you.

Ich: *sprachlos* Oh you did? Well, it was good fun. You should try it!

Wie so häufig in diesen Situation hilft ein Lächeln, eine angedeutete Verbeugung und alle sind froh. Glaube ich jedenfalls und so gehe ich mit der Gewissheit durch den Tag, dass ich nicht nur beobachtet, sondern durchaus auch verfolgt werde, denn vom Eingang war es noch ein gutes Stück zu gehen, um zu den Schreinern zu kommen. Das Interesse ehrt mich und ich behalte (mal wieder) einen guten Eindruck zurück.
Dann zum eigentlichen Ziel, dem Umeda Building. Es ist ein moderner Klotz und die Fahrt mit dem Fahrstuhl soll bereits ein Erlebnis sein. Es erinnert mich an das Gebäude „La Grande Arche“ in Paris am Place de la Défense.

Ohne irgendeinem Architekten zu Nahe treten zu wollen, es ist eben ein umgedrehtes U. Wenn man oben ist, bemerkt man eine Rundung, die für ein paar nette optische Effekte sorgt. Man könnte bei diesen Bild z.B. denken, dass einige Tempeltore (Torii) hier Abbildung gefunden haben, aber vielleicht bin ich da auch nach Kyoto vorgeschädigt.

Der Blick auf Osaka ist beeindruckend.

Die Sonne versucht sich über der Bucht vor Osaka (in der der Kansai International Airport, auf dem ich gestern gelandet bin, liegt) durchzukämpfen.

Und auch von unten sorgt das Gebäude für einen ansehnlichen Blick.

Die unmittelbare Nachbarschaft ist modern gehalten.

Doch was nun? Ich habe noch Zeit und so beschließe ich dem Palast noch einen Besuch abzustatten.

Ich merke, dass ich nichts verpasst habe und genieße dennoch das Flair der Tradition, da ich gerade aus der modernen Architekturwelt komme. Auch hier sind viele Touristen unterwegs. Erstaunliche viele nutzen den Platz rund um den Palast, um Joggen zu gehen. Da würde ich gerne mitmachen, aber meine Füße brennen bereits und zudem sind meine Laufsachen viel zu weit in meinem Rucksack verstaut.

Am Abend streune ich ein wenig durch die Straßen. Die Stunden Schlaf der letzten Nacht fehlen mir ohnehin noch, so dass ich mich auf das Essen gehen beschränke. Eigentlich suche ich einen Laden, den ich am Vorabend entdeckt hatte. Aber ich finde ihn nicht wieder. Stattdessen treibe ich ziellos in den Massen umher und verliere die Orientierung.

unbenannt

Irgendwann beschließe ich dann einfach das nächstbeste und gut besuchte Restaurant mit meinem Besuch zu beehren.

Das sieht doch lecker aus! Fleisch auf Spießen. Was kann da falsch sein? Alles würde ein Veganer oder Vegetarier vielleicht antworten, aber auch ich gerate mit meiner Übersetzungsapp ins Stolpern. Es handelt sich um ein Restaurant für Innereien. Zumindest hauptsächlich. Ich beschließe, dass ich die App zumache und das bestellen werde was mir empfohlen wird. Man muss ja auch mal etwas neues probieren!

Und so geschieht es. Ich bestelle und esse sehr bizarre Dinge. Das Übersetzen hebe ich mir bis nach dem Essen auf. Mit einem Bier als Entspannungsdoping hoffe ich, dass auch mit der Erkenntnis der Übersetzung alles in meinem Magen bleibt.

Und die Erkenntnis ist überraschend. Ich wusste nicht, was man so alles an Innereien essen kann! Besser: was ICH so an Innereien gegessen habe. Ich habe es überlebt, aber ein neuen Fan hat diese Küche in mir nicht gefunden.

Auf dem Heimweg entdecke ich eine Straße, die mich an die Große Freiheit auf der Reeperbahn erinnert. Zumindest die Beschilderung ist ähnlich bunt.

Und dann kurz bevor es nach Hause geht fallen mir noch zwei schöne Sportwagen auf. Fast and Furious lässt grüßen.

Doch nun ab in meine Kapsel. Gute Nacht.

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