Ganz oben am Mt. Fuji

Bericht zum 07.10.2016 (Nachbericht)

Am 18. Tag meiner Reise steht nun endlich die Besteigung des Mt. Fuji an. Alternativ wird diese höchste Erhebung Japans auch Fujisan (als höfliche Bezeichnung) oder auch Fujiyama (wobei yama Japanisch für Berg ist) genannt.

Durch den Taifun #18 (Chaba), musste die ursprüngliche Planung und der Aufstieg zum Sonnenaufgang verschoben werden. Als ich Ishigaki am 11. Tag verließ war dieser Taifun bereits angekündigt und der vorhergesagte Pfad lief ziemlich genau auf Ishigaki hinaus. Doch ich flog ja weg und damit hatte ich die Störungen durch Taifune eigentlich abgehakt. Weit gefehlt. #18 hat sich zwar ein klein wenig weiter nördlicher als Ishigaki ausgetobt, hat aber dann vor der Küste Südkoreas einen 90° Haken geschlagen und mich bis nach Tokio verfolgt.

Sicherlich hatte der Sturm einiges an Kraft verloren (er war mal als Supertaifung der Gruppe 5 klassifiziert) und sein Zentrum war nicht wirklich nah an Tokio, aber der Fuji ist numal gut 3700m hoch und so weit oben ist das alles nochmal etwas anders. Da reichen schon ein paar Ausläufer eines Taifuns in den besten Jahren, um unangenehme Situationen zu produzieren.

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Pfad von Taifun Chaba (#18)

So erlebten wir am ursprünglich geplanten und dann doch verworfenenen Aufstiegstag, dem 5. Oktober, ein bisschen Regen und einige heftige Windböen in Tokio. Für den Mt. Fuji waren hingegen Windgeschwindigkeiten von 110km/h auf dem Gipfel angekündigt. Dafür wäre es gut 15° wärmer als heute (da waren -5° angekündigt) gewesen.

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Der Wind hat jedoch einen ungefährlichen Aufstieg verhindert, denn jeder der schonmal eine Hand auf der Autobahn bei 110 km/h aus dem Fenster gehalten hat weiß, dass solche Windgeschwindigkeiten zum Wandern keine gute Idee sind.

Doch zwei Tage später sollte das Wetter besser werden und so haben wir uns heute um 5:41h in Tokio in den Zug gesetzt, um zur 5. Station der Subaru Line (es gibt noch andere 5. Stationen) auf 2305m zu kommen.

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Morgengrauen in Tokio-Shinjuku

Dort sind wir um kurz vor 10 Uhr angekommen und erblickten statt dem majestätischen Anblick des Mt. Fuji erstmal Wolken. Ein malerisches Foto mit der Silhouette des Mt. Fuji ist uns daher verwehrt geblieben.

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5. Station in den Wolken

Hoffentlich würden die Wolken auf dieser Höhe bleiben und wir wenigstens von oben einen guten Ausblick haben.

Für einen kurzen Moment lichteten sich die Wolken dann auch und Daniel schlüpfte in seine Mt. Fuji Bergbekleidung während Stefan auf der Suche nach einem Mülleimer war. Zu dem Zeitpunkt hatte er nämlich schon ca. 25 Getränkeflaschen geleert und stapfte nun wie ein Pfandpirat von einem Ort zum anderen. Doch Mülleimer sind selbst auf einer so großen Station Mangelware.

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5. Station aus den Wolken

Der Fuji wird jedes Jahr von ca. 400.000 Menschen bestiegen. 250.000 davon alleine in den zwei Monaten (1. Juli – 31. August) in denen der Aufstieg offiziell erlaubt ist. Und das sind nur die, die den Aufstieg wagen. Ein Vielfaches fährt schlicht zur fünften Station und genießt den Anblick des Berges oder widmet sich den zahlreichen Pfaden die am Rande des Mt. Fuji tolles Wandern ermöglichen.

In den anderen Monaten ist der Aufstieg verboten, die Pfade und alle Hütten geschlossen und man liest immer wieder gerade zu alarmierende Warnungen, wie gefährlich es doch sei den Mt. Fuji außerhalb der Saison zu besteigen. Man solle sich gar polizeilich anmelden. Das halte ich in der Breite für unsinnig, da der Weg wirklich keine großen Schwierigkeiten bereithält. Allerdings bin ich vielleicht auch einigermaßen fit und habe schon den ein oder anderen höheren Berg bestiegen. Auch ist es sicherlich eine ganz andere Sache, wenn da oben Schnee liegt oder es noch deutlich kälter ist. Einen Monat nach dem Ende der offiziellen Zeit ist die Besteigung, wenn man den Wetterbericht beachtet, einige Vorsichtsmaßnahmen trifft und nicht ganz unerfahren ist, gut möglich.
Es gibt allerdings haarsträubende Berichte im Internet, die diese generelle Sperrung als berechtigt erscheinen lassen. So sind manche Leute völlig untrainiert, haben keine Ahnung vom Wettter und den Bergen oder laufen nur in Shorts los. Bei einem 3700m Berg sollte man schon ein wenig Respekt mitbringen.

Zudem schien mir der Aufstieg in der Nebensaison als das einzig vernünftige, wenn man sich nicht den Pfad mit hunderten anderer teilen und sich quasi hochstehen wollte.

Gegen 10 Uhr waren wir dann startklar und begannen den Aufstieg auf dem Yoshida-Trail. Dieser Weg ist der kürzeste und damit der schnellste, aber auch der beliebteste und zudem logischerweise im Durchschnitt der steilste. Zu Anfang waren uns die Wolken sehr nah und wir liefen wie im Nebel. Ich genoß das, denn in Wolken spazieren gehen macht man ja auch nicht alle Tage. Immer wieder kamen die Wolken wie Wellen an einem Deich am Rande des Mt. Fuji an und rollten sich dann an der sanften Schräge aus. So arbeiteten wir uns Stück für Stück aus den Wolken heraus und nach den ersten Höhenmetern hatten wir es geschafft. Über uns waren nur noch ein paar Wolkenfetzeu und weit dahinter irgendwo auch der Rand des Mt. Fuji zu sehen.

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Die Wolken unter uns und die Sonne über uns am blauen, wolkenlosen Himmel, das ist das Rezept für einen unendlichen Blick in die Ferne. Es war wirklich toll.

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2700m

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2892m

Die Höhenmeter kamen aber mit einem Preis. Die Strecke ist im unteren Teil noch sehr durch breite Wege und Serpentinen geprägt, denn die hohen Besucherzahlen erfordern große Wege. Der Pfad wird daher mit Bulldozern und Baggern weiter und vor allem breiter ausgebaut. Das führte zwischenzeitlich zu schwankenden Eindrücken. Eine gemischtes Gefühl aus Besichtigung einer Großbaustelle (die Arbeiter haben alle nett gegrüßt – nichts anderes habe ich in Japan erwartet) und Bewanderung einer Passstraße stellte sich ein.

Doch 2800m sind kein Pappenstil. Die Luft wird merklich dünner. Das merkt man relativ schnell und man muss seinen eigenen Weg entwickeln, um sich mit dieser misslichen Lage abzufinden. Eine schnellere Atmung lässt sich bei physischer Aktivität kaum vermeiden. Erst recht nicht auf diesen Höhen.

Streng genommen ist es der Druck, der mit zunehmender Höhe abnimmt. Von etwa 1000 mBar auf Meereshöhe (Tokio) sinkt er auf etwa 625 mbar auf 3700m (Mt. Fuji).

Das sorgt dafür, dass sich die Gase (die Luft) ausdehnen. Sie nehmen also mehr Volumen ein. Die Kälte tut ihr übriges, um diesen Effekt zu verstärken. Je wärmer es ist, desto mehr Sauerstoff steht (c.p.) zur Verfügung.

Mit jedem Atemzug gelangt also immer noch dasselbe Volumen in die Lunge, in diesem Volumen ist jedoch weniger Sauerstoff enthalten.

Auf Meereshöhe sind es noch 21% Sauerstoff, auf 2800m nur noch 15% und auf 3700m noch etwa 13%. Letzteres bedeutet, dass uns auf dem Gipfel nur noch 62% des Sauerstoffgehalts von Tokio zur Verfügung stehen werden.

Ab 2700m ist es dann auch vorbei mit der Autobahn(,) zum Glück. Es wird ein wenig steiler, aber auch sehr viel interessanter zu laufen.2016-10-07-11-12-56

Über alte Lavaströme führt der Weg immer gut begrenzt an den zahlreichen (geschlossenen) Stationen vorbei. Immer wieder sind auch große Monolithe dabei, die vermutlich bei einem der Ausbrüche herausgeschleudert wurden.2016-10-07-12-03-13_anon

Der letzte Ausbruch des Mt. Fuji liegt nur gute 300 Jahre zurück, am 16.12.1707, und der Berg wird noch immer als aktiver Vulkan geführt. Nachdem ich aber bereits Taifun und Erdbeben auf meiner Liste habe, bin ich zuversichtlich, dass ich von einem Ausbruch verschont bleibe.

Prof. Masaki Kimura von der Ryukyu Universität, Japan hat einen Ausbruch im Jahr 2011 als wahrscheinlich prognostiziert. Seinen Berechnungen zu Folge hätte die Magmakammer des Fuji mittlerweile einen Druck von 1.6 Megapascal (klingt nach viel) aufgebaut. Das sei mehr als vor seinem letzten Ausbruch. Da im Bericht eine Fehlertoleranz von 4 Jahren angeben ist, wäre also 2015 noch im Vorhersagezeitraum gewesen.

Ich bin froh, dass es nicht so gekommen ist, obwohl ich natürlich liebend gerne in einen Krater mit Lava gesehen hätte (Hat irgendwer Lust auf so was? Ich wäre dabei.). Auf der anderen Seite wird bei Ausbrüchen ja auch gerne mal ein Stück oben abgerissen und dann wären die 3700m passé.

Aus verschiedenen Gründen bin ich also froh, dass ich einen Vulkanausbruch nicht auf meine Japanliste setzen muss.

https://www.japantoday.com/category/national/view/mt-fuji-may-erupt-by-2015-says-ryuku-university-professor

Mein Schuhwerk (wieder die Nike Free RN) ist nicht optimal, aber alles ist unproblematisch. Wanderstiefel wären sicherlich komfortabler und würden einen Fehltritt eher verzeihen, aber es geht auch ziemlich gut ohne, wenn man denn konzentriert zur Sache geht. Doch mit der Konzentration ist das so eine Sache, wenn der Sauerstoffgehalt sinkt.

Irgendwo zwischen 3100m und 3300m beschließt Daniel sich dem Ausblick hinzugeben und uns die Erklimmung des Gipfels zu überlassen. Das ist eine starke Entscheidung und ich ziehe meinen Hut vor dieser Selbsteinschätzung. Bereits zuvor, vermutlich auf etwa 2800m, hatten wir uns zu dritt besprochen und die Lage neu eingepeilt. Der letzte Bus sollte laut der Touristenauskunft in Tokio um 17:50 Uhr fahren, doch alle denen wir begegnet waren gingen von 16:20 Uhr aus. Das würde unseren Zeitplan erheblich, nämlich um 1:30h, verkürzen, und führte dazu, dass ein striktes Regime her musste, wenn wir den Gipfel und die Rückfahrt schaffen wollten. Daniel ließ uns den Vortritt und zog es ab dann vor sein eigenes Tempo zu gehen, während Stefan sich mit meinen unerbittlichen Pausenzeiten abfinden musste.

Denn um nicht allzusehr ins „Schlendern“ zu geraten schlug ich kurz nach unserer Trennung von Daniel vor, maximal alle 200 Höhenmeter eine Pause von 2-3 Minuten zu machen. Dann, so meine Berechnungen (die beim Wandern ziemlich lange gedauert haben), sollten wir es einigermaßen zeitig nach oben schaffen. Übersehen hatte ich selbstredend, dass das GPS nur ungenaue Höhendaten hat, dass der Berg zum Ende steiler und die Luft noch dünner werden würden. Aber ich hatte auch ein wenig Puffer eingeplant.

Wir kamen jedenfalls gut voran und arbeiteten uns stetig den Berg hinauf. Manchmal ließen wir ein wenig Musik (es war kein anderer in der Nähe, also konnten wir auch niemanden stören) mitlaufen, manchmal redeten wir ein wenig Unsinn. Aber immer hatten wir das Ziel vor Augen. Den Mt. Fuji bezwingen!

Mit den wenigen Leute, denen wir begegneten oder die wir einholten, sprachen wir kurz und wurden immer wieder auf die 16:20h Abfahrtszeit oder (das war neu) auf die Möglichkeit nach 16:20h ein Taxi für 120 Euro zu nehmen hingewiesen. Das sollte wohl also leider stimmen.

Insgesamt trafen wir auf dem Berg maximal 25 Personen. Und der Weg lässt sich in seiner gesamten Länge ziemlich gut einsehen. Da gab es also keine großen Lücken in unserer Zählung.

Auf 3558m stand dann auf einmal ein Torii. Wir nahmen das als ein gutes Zeichen und der Rand des Kraters ließ sich auch schon ausmachen.

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Wenig später lief uns ein Deutscher, Jan, den wir an der fünften Station zuvor getroffen hatten, in die Arme. Er stieg gerade wieder ab und teilte uns mit, dass wir es so gut wie geschafft hätten. Vielleicht noch 5 Minuten. Hmm. Das ginge ja dann sehr schnell. War mein GPS so ungenau?

Egal, derart motiviert gaben wir nochmal Gas. Ich hatte mir ausgemalt zu welcher Musik ich auf den Gipfel auflaufen würde, aber der Zufall hat auch mitbestimmt und so war es Zaz (diesmal doppelte Grüße an Judith), die mich auf das Dach Japans begleitet hat.

Ungefähr bei 1:45 im folgenden Video erreichte ich den Gipfel (meine Version fing auch erst bei 0:45 an), drehte mich um und blickte auf ein fantastisches Panorama!

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Richtig, mit Holzzaun. Auf dem Gipfel war nicht viel los, aber ein ganzes Dorf aus Steinhäusern war trotzdem da. Wie bereits angedeutet laufen hier sonst mehr Leute rum.

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Sieht fast ein wenig aus wie Machu Picchu in Peru.

Es war mittlerweile 13:35 Uhr. Bis 16:20 Uhr (der Abfahrt des letzten Busses) blieben uns also sportliche 2:45h. Das sollte gehen. Es musste gehen.

Ich hatte allerdings bereits kurz vor dem Gipfel angekündigt, dass ich den 2.5km Rundgang auf der Caldera auch noch gerne machen würde. Wenn man schonmal hier ist… Und außerdem war man hier (das fiel meinem sauerstoffbemangelten Gehirn dann auch wieder ein) „lediglich“ auf 3700m. Der höchste Punkt liegt aber auf 3776.24m und der befindet sich genau gegenüber an der Wetterstation.

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Die Wetterstation liegt auf 3776.24m und zwar genau gegenüber.

Stefan fand die Idee zwar super, zog es aber verständlicherweise vor sich mit einigen Riegeln und Wasser auf den Abstieg vorzubereiten. So war ich auf mich alleine gestellt.

Die Angaben für die Rundung der Caldera waren in meinem Kopf durcheinander geraten. Waren es 4km oder doch nur 2km? In den Reiseführern waren Zeiten zwischen 60 und 90 Minuten für die Rundung angegeben. Ich nahm mir vor, dass ich das in einer halben Stunde schaffen müsste. Mehr Zeit war einfach nicht drin, wenn wir den Abstieg irgendwie schaffen wollten. Mit Stefan vereinbarte ich ein eindeutiges Zeichen, so dass ich wüsste, wenn er bereits mit den Abstieg begonnen hatte bevor ich zurück war.

Die ersten Schritte versprachen dem Augenschein nach entspannt zu werden, ging es doch nur noch ein bisschen auf und ab, aber wahrscheinlich nicht mehr so steil bergauf wie bisher. Einzig das Stück direkt vor der Wetterstation versprach auf den ersten Blick ein wenig anstrengend zu werden. Und da alles so entspannt schien und ich von der Musik in meinen Ohren und dem gerade erfolgreich bestiegenen Mt. Fuji euphorisiert war, beschloss ich es nach den ersten Schritten doch mal mit dem Joggen zu probieren. Das ist schneller als Wandern und Zeit war ein Thema.

Um 13:44 Uhr zog ich also meine Regenjacke über (es war doch ein wenig windiger hier oben), zurrte den Rucksack fest, verabschiedete mich von Stefan und begann meinen bisher höchsten Trainingslauf. Die richtigen Schuhe hatte ich ja an. Und was soll ich sagen, es lief gut!

Keine 10 Minuten später war ich auf der anderen Seite und hatte von der Wetterstation einen fantastischen Ausblick, da ich die Sonne nun im Rücken hatte und sie den Krater für mich ausleuchtete. Trotz Weitwinkel am Handy musste ich das Bild leider später am Computer zusammensetzen, daher die schwarzen Stellen auf dem Foto. Der Krater ist übrigens ca. 300m tief und das Weiße in den Hängen sind Eiszapfen, die sich trotz der Sonne dort halten.2016-10-07-13-54-38_stitch

Ich bin nicht die gesamte Strecke gerannt. Die Steigung hinauf zur Wetterstation bin ich z.B. gewandert. Es wäre vielleicht drin gewesen, aber fast alleine (mir sind auf der ganzen Strecke nur drei Leute begegnet, die sich wahrscheinlich auch gefragt haben was der Irre da rumläuft) auf 3750m zu kollabieren, wäre dann doch irgendwie uncool gewesen. Eine derartige Steigung wäre ich vermutlich selbst in Hamburg nur sehr langsam hochgelaufen.2016-10-07-14-00-17

Noch nie konnte ich mit einem derart beeindruckendem Ausblick miktieren. Kurz genießen und dann weiter. Nach ein paar kurzen Fotopausen (und Musikpausen… grrr, Japan) war ich um 14:07h und damit nach 23 Minuten wieder bei Stefan und wir konnten direkt den Abstieg antreten. Trotz der Hektik ließ der Lauf Zeit für ein paar schöne Fotos und jede Menge umwerfender Eindrücke. Gerne hätte ich dort oben mehr Zeit verbracht, aber uns blieben nun nur noch etwas mehr als zwei Stunden, um den letzten Bus zu bekommen.

Der Abstieg war brutal und ich bleibe dabei, dass ich Abstiege nicht mag. Vor allem wenn sie einfach nur ewig lange stark abschüssige Geraden beinhalten, wie das hier der Fall war. Im Zickzack ging es steil auf feinem Geröll immer nur bergab. Für die Kniescheiben ist das eine Höllenkur und auch für den Kopf ist es nicht fein.

Die untergehende Sonne ließ den Schatten des Kraterrandes sich ein Rennen mit uns liefern. Der Schatten gewann. Doch so konnte er wenigstens die nach unten zunehmenden Temperaturen gut kompensieren und wir unsere Sachen weitestgehend anbehalten.

Auch die Wolken kamen wieder näher und durch den nun besseren Blick (beim Aufstieg guckt man ja in erster Linie in den Berg) konnten wir das beschriebene Anrollen der Wolken auf den Fuji wunderschön sehen.

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Solange, bis wir wieder in die Welt der Wolken eintraten. Dann war es zwar nicht zappenduster, aber die Sicht stark eingeschränkt.

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Auf die letzten Meter wurde es dann nochmal eng. Nachdem wir uns zweimal nur ganz kurz (aber eben steil) vergangen hatten (die Japaner hielten es nicht für notwendig auch nur ein einziges Schild in der Nebensaison stehen zu lassen), konnte es nur noch eine Punktlandung werden. Ohne meinen häufigen Blick aufs Handy wären wir zwar unten, aber sicherlich woanders gelandet als da wo wir hinwollten.

Etwa 1.3km vor der Bushaltestation war klar, dass das eine ganz enge Nummer werden würde. Ohne einen weiteren Jogging-Einsatz war das nicht zu schaffen. So rannten wir beide in letzter Minute zum Bus, trafen dort auf Daniel und fuhren zurück nach Kawaguchiko, von wo aus dann wieder regelmäßige Verbindungen nach Tokio fuhren.

Mittlerweile war es erstaunlich dunkler geworden und so ist die letzte Busverbindung vermutlich darauf ausgelegt, dass bloß keiner im Dunkeln noch auf dem Berg ist. Ob das so klappt?

Wir waren am Ende des Tages froh diesen Berg bezwingen zu können und ich habe für die insgesamt 17.74km knapp 6:20 Stunden gebraucht. Das ist sicherlich kein Weltrekord, aber eine ordentliche Zeit.

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Den GPX -Track habe ich hier (GPX) zum Download freigegeben. Damit die Datei erkannt wird, die Endung in .gpx umbennen. Beim Nachlaufen bitte auch auf unsere zwei kleinen unnötigen Abstecher beim Abstieg achten.

Ich bin auch froh, dass ich mit Daniel und Stefan zwei so wertvolle, verständige und stets gut gelaunte Mitstreiter hatte. Das ist nicht selbstverständlich und darf hier durchaus mal Erwähnung finden. Danke, Jungs!

Fuji-Mountain Race und anderes

Zum Thema „Zeit“ gibt es natürlich noch etwas zu sagen. Einmal im Jahr findet (meist Mitte/Ende Juli) das Fuji-Mountain-Race statt. Es beginnt am Fuße des Mt. Fuji auf ca. 700m und geht dann bis zum Gipfel. Die ersten 15km beinhalten 1500 Höhenmeter und führen zur 5. Station. Dann sind es weitere 6km bis zum Gipfel. Die insgesamt 21km müssen innerhalb eines Zeitlimits (wohl 4:30h) bewerkstelligt werden.

Ich bin nicht sicher wie viele das schaffen, aber irgendwer schafft das. Da ist also noch Luft in den Zeiten. Für Ausländer gibt es leider insgesamt nur 50 Startplätze. Da müsste man also schon weit vorausplanen.

Nachtrag: Tatsächlich liegen die Siegerzeiten für das Fuji-Mountain-Race deutlich unter 3 Stunden. Ich vermute, das sind Läufer, die die 10km im Flachland in 30 Minuten laufen. Meinen Respekt. Mein Ziel wäre eher im Zeitlimit anzukommen und nicht zu kollabieren. Auch meine Ideen wie man den ungeliebten Abstieg vermeiden kann und mir denen ich Stefan beim Abstieg beglückte, wurden schon umgesetzt. Die erste Idee war einfach mit einem Gleitschirm ins Tal zu schweben. Wenig später, dann der Einfall, dass man mit Ski im Gepäck hoch und dann runter fahren könnte. Naja, vielleicht beim nächsten Mal.

https://www.city.fujiyoshida.yamanashi.jp/div/english/html/race.html

Für die Rückfahrt war mir eigentlich alles egal. Daniel und Stefan würden ihre Reise von hier an nach Kyoto fortsetzen und ich durfte nochmal für zwei Tage nach Tokio, bevor meine Reise ein Ende finden würde. Zwar hatte ich ein Bahnticket bereits gekauft, doch es gab einen Bus der mich direkt von hier nach Tokio-Shinjuku fahren würde. Von da wären es noch 5 Minuten zu meinem Gepäck im Hotel und nur weitere 10 Minuten zu meiner neuen Unterkunft. Da habe ich nicht lange gezögert und mich in den Bus gesetzt.

Eine gute Entscheidung, denn nach der Tour wollte ich nur noch schnell nach Hause. Zu Hause würde heute leider mal wieder ein Capsule Hotel sein, denn die AirBnb-Behausung hatte am Morgen abgesagt. Ärgerlich, aber so ist das eben mit AirBnb.

Das Kapselhotel sollte allerdings einen Wellnessbereich haben und darauf waren meine Beine nach dem heutigen Tag irgendwie auch scharf. Ich werde berichten.

Bis dahin bleibt als Fazit des Tages: Mt. Fuji und der höchste Punkt Japans? Check!

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5 Gedanken zu “Ganz oben am Mt. Fuji

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